Den Schulweg zu Fuss erleben

Mit den Aktionswochen „walk to school“ motiviert der VCS Verkehrs-Club der Schweiz ganze Schulklassen den Schulweg zu Fuss zu erleben. Berngesund hat sich mit der Berner Primarlehrerin Pia Zürcher getroffen, die erzählt welche Kompetenzen ihre Schüler bereits auf dem Schulweg lernen.

Obwohl Pia Zürcher bereits seit Jahren unterrichtet, ist der Schulstart auch für sie immer mit einer gewissen Aufregung verbunden. Der Grund dafür sind all die Erwartungen und die Vorfreude in den Gesichtern der Erstklässler im Hochfeld Schulhaus in der Länggasse. Dass der Schultag jedoch nicht erst anfängt, wenn die Schüler bei ihr im Klassenzimmer sitzen, weiss Pia Zürcher.

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Die Klasse 1c des Schulhauses Hochfeld II geht zwei Wochen zu Fuss zur Schule.

Kompetenzen werden früh erlernt

Die Kinder beginnen bereits auf dem Schulweg mit dem Lernen: zum Beispiel übernehmen sie aktiv Verantwortung für sich und ihre Gspänli auf dem gemeinsamen Spaziergang. Hier setzen auch die Aktionswochen „walk to school“ vom VCS Verkehrs-Club der Schweiz an. Während zwei Wochen motiviert das Projekt Schulklassen in der ganzen Schweiz den Schulweg zu Fuss zu erleben. Pro Schulweg, der ein Kind zu Fuss zurücklegt, gibts als Motivation einen Sticker und wenn sich die ganze Klasse strikt daran hält, winkt am Ende sogar eine Schulreise. Pia Zürcher ist mit dem Projekt längst vertraut. Bereits zwei Mal wurden ihre Klassen ausgezeichnet.

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So werden die Kinder auch gesehen: Zum Schulstart gibts auffällige gelbe Hüte vom VCS.

Das Ziel hinter der Aktion „walk to school“ ist simpel: Kinder, die ihren Schulweg selbstständig gehen und Zeit mit ihren Gspändli verbringen, lernen ihr Umfeld besser kennen, achten auf den Verkehr und betreiben eine sportliche Aktivität dazu. Alles in allem werden dabei Verkehrs- und Sozialkompetenzen erlernt, die auch im Schulalltag wichtig sind. Sogenannte „Elterntaxis“ werden damit ersetzt und somit auch der CO2-Ausstoss reduziert.

Der Schulweg: Ein Erlebnis fürs Kind

Ein wichtiger Bestandteil der Aktionswochen ist für Pia Zürcher immer auch die Sensibilisierung der Eltern. So würden Eltern ermutigt ihre Kinder selbstständig ihren Schulweg bewältigen zu lassen, wenn alle anderen Kinder der Klasse ebenfalls mitmachen. So würden auch Prozesse des Loslösens und dadurch auch das Vertrauen in die Kinder gestärkt. Da die meisten Kinder direkt in der Nähe der Schule wohnen ist die Ausgangslage für das Projekt ideal. In anderen Quartieren haben Kinder allerdings weite Schulwege, die zu Fuss nicht bewältigbar sind. Hier spricht sich Pia Zürcher dafür aus, die Kinder zu ermutigen mindestens einen Teil des Schulweges zu Fuss zu gehen.

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Für Viola und Johannes ist der Schulweg eine Entdeckungsreise.

Dass die Aktionswochen aber schlussendlich auch bei der Zielgruppe Anklang finden, wird auf dem Schulweg von Viola (1. Klasse) und Johannes (3. Klasse) klar. Die Geschwister wohnen ganz in der Nähe des Hochfeld Schulhauses und machen sich seit dem Schulstart diesen August täglich gemeinsam auf den Schulweg. Dort tauschen sie sich über ihre Hausaufgaben aus, diskutieren was am Mittagstisch auf den Teller kommt oder machen sich gegenseitig darauf aufmerksam, was sie in ihrer Umgebung gerade so sehen. Da wird über die Kürbisse in einem Gärtchen, die vorbeistreunende Katze auf der Strasse, die riesige Pfütze auf dem Trottoir oder das Haus des Schulgspändlis diskutiert. Johannes findet die Aktion sowieso toll, schliesslich durfte er danach mit seiner ganzen Klasse mit dem Car auf eine Schulreise. Dafür sind alle Schüler zwei Wochen zu Fuss in die Schule gekommen. Seither macht Johannes dies aber auch ganz ohne Belohnung. (jz)


Über die Aktion „walk to school“
Walk to school ist das Projekt vom VCS Verkehrs-Club der Schweiz. Ziel ist, dass möglichst viele Schüler zu Fuss zur Schule oder in den Kindergarten gehen und dabei erleben, wie toll der Schulweg sein kann. Noch bis Freitag 2. September 2016 oder spätestens drei Wochen vor dem geplanten Start der Aktionswochen können Klassenlehrpersonen ihre Klassen hier anmelden.